Deutsche Bank Research
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Zentralbankgold als Garantie?

31. August 2011

nicht löschen!!

aIn der aktuellen Debatte wird oft gefordert, Goldreserven als Sicherheiten von Ländern zu verlangen, die Hilfen im Rahmen der Euro-Rettungspakete erhalten. Alternativ sollen Zentralbanken Goldreserven verkaufen und die Erlöse zur Schuldentilgung zu nutzen. Was ist davon zu halten?

Die Grafik zeigt, dass die Goldreserven der Peripherieländer unter dem Eurorettungsschirm nicht ausreichen, um die Hilfen vollständig oder auch nur zu einem größeren Teil mit Gold zu besichern. So hält Griechenland Goldbestände im Wert von EUR 3,8 Mrd., hat jedoch Hilfen von über EUR 219 Mrd. zugesagt bekommen. Irland könnte für die EUR 85 Mrd. Unterstützung im Rahmen des Eurorettungsschirms lediglich Gold im Wert von EUR 205 Mio. hinterlegen. Ähnlich sieht es in Portugal aus; das Land hält bei einem zugesagten Hilfsvolumen von EUR 78 Mrd. lediglich Goldbestände im Wert von EUR 13,1 Mrd.

Diese Zahlen gelten für die gegenwärtigen, historisch hohen Kurse des Goldes. Das verweist auf ein weiteres Problem. Eine Bewertung der Goldvorräte als Sicherheit ist schwierig, denn angesichts volatiler Nachfrage bei konstantem Angebot unterliegt der Goldpreis nicht erst seit der jüngsten Gold-Hausse starken Schwankungen. Es entstünde bei sinkendem Preis ein Risiko des Wertverfalls für die Pfandnehmer bzw. bei steigendem Preis ein Verlust für die Pfandgeber. In jedem Falle würde eine volatile Besicherung sehr wahrscheinlich zusätzliche Spekulation auslösen – und damit das Gegenteil dessen bewirken, was eigentlich beabsichtigt war. Unsere Grafik veranschaulicht die Problematik von Wertänderungen durch die Gegenüberstellung des Marktwerts der Goldreserven im April 2011 und im August 2011. Diese Nachteile dürften den potenziellen Vorteil des Goldpfands als politisches Signal dauerhafter Selbstbindung für nachhaltige Haushaltskonsolidierung über die derzeitige Legislaturperiode hinaus aufwiegen.

Könnte alternativ der Verkauf von Goldreserven den Ländern helfen, ihre Staatsverschuldung abzubauen? Nicht wirklich. So verfügt Italien beispielsweise über Goldreserven im Gegenwert von EUR 84 Mrd. Bei einer Staatsverschuldung von über EUR 1,8 Bn. entspricht dies jedoch nur 4,6%. Auch Griechenlands Goldreserven machen nur knapp 1,2% der Staatsverschuldung aus. Besser – wenn auch nicht überzeugend – sieht es in Spanien (6,6%) und Portugal (8,2%) aus. Eine Vereinbarung zwischen den Zentralbanken der Eurozone (ausgenommen Estland) und der Schweizer Nationalbank engt diesen Spielraum jedoch ein: Das Joint Statement on Gold besagt, dass diese Länder gemeinsam höchstens 400 Tonnen Gold im Jahr verkaufen dürfen. Diese Menge entspricht derzeit einem Wert von EUR 16,5 Mrd.

Sollte die Schweiz mitspielen, könnte diese Vereinbarung wohl geändert werden. Allerdings bliebe der fade Beigeschmack, dass die Zentralbanken sich einer politischen Agenda gebeugt hätten. Das passt nicht zur Unabhängigkeit der Zentralbanken des Eurosystems, die essenziell für ihr primäres Ziel der Geldwertstabilität ist. Als Teil der Währungsreserven dienen auch die Goldbestände der Stabilitätssicherung des Eurosystems, weshalb ein Verkauf unter der Prämisse der Haushaltskonsolidierung die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken gefährden würde.

 

Anmerkung: Das Gold, das die nationalen Zentralbanken bei der Einführung des Euro als Anteil (15%) der Währungsreserven an die EZB übertragen haben, steht ihnen derzeit für einen Verkauf oder als Pfand nicht zur Verfügung.


 
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