
28. September 2011
Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Abkühlungsphase. So verlangsamt sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,8% im Jahr 2011 auf 0,8% im kommenden Jahr. Zwar wird sich die Baukonjunktur 2012 ebenfalls eintrüben; nach +6% in diesem Jahr rechnen wir für 2012 aber noch für einen Zuwachs von 1,5%. Das ist deutlich mehr als im Schnitt der letzten 7 Jahre (0,15%). Baunahe Branchen erhalten dadurch positive Impulse und können sich teilweise dem gegenwärtigen Sog nach unten entziehen.
Um die Bedeutung der Bauwirtschaft für die verschiedenen Branchen darzustellen, analysieren wir, welcher Anteil des im Inland produzierten und verwendeten Produktionswertes einer Branche im Bausektor Verwendung findet. Unter den am meisten auf den Bausektor ausgerichteten Branchen (Anteil größer als 5%) stammen 6 aus dem Verarbeitenden Gewerbe, zwei aus dem Dienstleistungsbereich und eine aus dem Primärsektor. Dass sehr baunahe Branchen wie Keramik, bearbeitete Steine und Erden oder das Holzgewerbe vom Aufschwung am Bau profitieren ist naheliegend. Allerdings ist das Baugewerbe als Kunde auch für größere, an viele Industrien liefernde Branchen wie Kunststoffwaren, die Herstellung von Geräten der Elektrizitätsverteilung oder Metallerzeugnisse von signifikanter Bedeutung.
Insgesamt bleiben die gesamtwirtschaftlichen Effekte aber begrenzt: Gewichtet man die Bruttowertschöpfung aller direkt vom Bau abhängigen Industrien mit dem an die inländische Bauwirtschaft gehenden Anteil des gesamten Branchenproduktionswertes, ergibt sich auf gesamtwirtschaftlicher Ebene ein direkt vom Bau beeinflusster Bruttowertschöpfungsanteil von 4,3%. Zudem macht das Baugewerbe selbst „nur“ 4,2% der deutschen Bruttowertschöpfung aus. Daher sollte der Effekt der guten Lage am Bau zwar die Konjunktur in Deutschland stabilisieren, die Wachstumsimpulse für die gesamte Volkswirtschaft, aber eher moderat ausfallen.