
29. Juni 2012
Die nationalen Kapitalmärkte weisen nach wie vor deutliche Größenunterschiede auf. Die US-amerikanischen Finanzvermögen beliefen sich 2010 auf USD 64 Billionen. Die Finanzmärkte im Euro-Währungsraum verzeichnen eine vergleichbare Größe, leiden aber in jüngster Zeit unter einer gewissen Fragmentierung. Japan, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, die auch über den weltweit drittgrößten Finanzmarkt verfügt, verzeichnet hingegen deutlich geringere Finanzvermögen (USD 30 Bill.).
Abgesehen von Japan, den USA und der Eurozone ist der Bestand an inländischen Finanzvermögenswerten in China heute bereits höher als in allen anderen Volkswirtschaften. China verzeichnet das bei Weitem stärkste Wirtschafts- und Finanzmarktwachstum unter den großen Volkwirtschaften der Welt. Aber selbst wenn China gegen Ende des laufenden Jahrzehnts die USA als größte Volkswirtschaft der Welt ablöst, werden die US-Finanzmärkte nach wie vor die chinesischen Märkte größenmäßig übertreffen. Und selbst wenn die chinesischen Finanzmärkte im Hinblick auf ihre Größe mit den US-Märkten gleichziehen könnten, wäre keineswegs garantiert, dass sie auch eine vergleichbare Breite und Tiefe bieten könnten. Dies wird in großem Maße davon abhängen, wie rasch sich der chinesische Finanzsektor in den kommenden Jahren weiterentwickelt. Außer China stellt keine andere Volkswirtschaft der Welt im Hinblick auf die Größe ihres Finanzmarkts auch nur annähernd eine Konkurrenz für die USA, die Eurozone und Japan dar. Am besten lässt sich dies wahrscheinlich anhand des folgenden Beispiels belegen: Die Nettoneuverschuldung (Haushaltsdefizit) der USA ist höher als der gesamte Bestand an brasilianischen Staatsanleihen. Dabei ist Brasilien nicht nur die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt, sondern auch ein Schwellenland mit einer der höchsten Schuldenquoten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass China nach wie vor im Hinblick auf die Größe seines Finanzmarktes der einzige potenzielle Konkurrent für die USA und die Eurozone ist, wenngleich dies auf absehbare Zeit nicht automatisch auch für die Breite und Tiefe des Marktes zutrifft.